Zeltbahnen

 

1. Zeltbahn 1959, Farbe braun überwiegend

Schon etwas ausgeblichen ist diese Zeltbahn der Volkspolizei. Auf der Rückseite und an den Rändern ist deutlich Material geringerer Qualität erkennbar. Die viereckigen DDR-Zeltbahnen, die nach sowjetischem Vorbild gefertigt wurden, konnten als einzelner Unterschlupf aufgebaut oder zu mehreren zu einem größeren Zelt zusammengeknöpft werden. Auch die Verwendung als Regenumhang oder Sack war möglich.

 

 

Wahrscheinlich Mitte/ Ende der 60er Jahre: Wachtmeister der 3. oder 20. Volkspolizei-Bereitschaft Potsdam haben ihre Flächentarnzeltbahnen in zusammengerolltem Zustand bereit zur Inspektion vor sich zu liegen. Deutlich sind auch die beiden Mantelriemen pro Zeltbahn zu erkennen. MPi K, das polizeigrüne "Schiffchen" und die Feldflasche mit dem wehrmachtsähnlichen, filzartigen Bezug werden wohl ebenso kontrolliert. Über die hier gezeigte Drillichuniform wurde der Flächentarnanzug gezogen. Bei dem Anwärter im Vordergrund ist sehr gut die vorschriftsmäßig von vorn nach hinten in die Marschstiefel eingeschlagene Drillichhose zu erkennen. Im Hintergrund ein "Vorgesetzter" in Stiefelhosen und ein sowjetischer Geländewagen GAS-69.   2)

 

 

 

Die Stempelung ist leider nur noch undeutlich zu erkennen: MdI/ MDI (auch möglich MFS, 1959/IV), 1827.

 

Die hier gezeigte Zeltbahn wurde vor einigen Jahren bei einer Garagenräumung in einer ehemaligen Dienststelle der DVP aufgefunden.

 

Seltsamerweise bestehen bei dieser Zeltbahn die Knöpfe und die kleinen Ösen aus Stahl, während die großen Ösen an den Ecken aus Aluminium sind.

 

 

2. Zeltbahn der DVP von 1962, Farbe grün überwiegend

In fast neuwertigem Zustand ist diese Zeltbahn der Volkspolizei von 1962 erhalten geblieben. Der Tarndruck ist nicht, wie man vermuten könnte, ausgeblichen, sondern wurde in etwas geringerer Druckqualität der Güteklasse 2 ausgeführt und wirkt überwiegend grünlich. Alle Knöpfe und Ösen bestehen bei dieser Zeltbahn aus Aluminium.

 

Der Arm-Durchgriff mit vier gegeneinander zu knöpfenden Alu-Knöpfen erinnert an den Durchgriff bzw. die Kopföffnung der Dreieckszeltbahn der Wehrmacht mit den zwei gegeneinander zu knöpfenden Alu- bzw. Stahlknöpfen in Napfform.

 

Zum Vergleich: 

Durchgriff bzw. Kopföffnung einer Dreieckszeltbahn der Wehrmacht mit zwei gegengeknöpften Stahlknöpfen in Napfform. Die Dreieckszeltbahn konnte als einfaches Tarnmittel vom Träger einfach als Poncho mittels der Öffnung über den Kopf gezogen werden. Sie war die häufigste und bekannteste deutsche Tarnbekleidung des 2. Weltkrieges.

 

Die Innenseite des "Regenumhanges". Deutlich sind Kragen- und Kapuzenkordel und die Arm-Durchgriffe zu erkennen. Die untere Ecke wurde etwas hochgezogen und innen an einem dafür vorgesehenen Alu-Knopf festgemacht. An der Vorderseite konnte der Regenumhang dann zugeknöpft werden. Das Schließen der Alu-Knöpfe gerade bei neuen Zeltbahnen erforderte jedoch mitunter etwas Geduld und Fingerfertigkeit.

 

1967: Achtmannzelt der 1. Kp. eines 1. NVA-Regimentes. Die Flächentarn-Zeltbahnen gehören zur helleren Ausführung.  Hier kamen wohl nur sechs Mann unter, wie die Kochgeschirre vor dem Zelt verraten.    1)

 

Ein Achtmannzelt kann wie folgt hergestellt werden:
1. Sechs Zeltbahnen zu einem Rechteck zusammenknöpfen und wie ein Giebeldach aufstellen.
2. Mit den beiden anderen Zeltbahnen die Giebelöffnung verschließen.
3. Als Ein- bzw. Ausgang eine hochgeklappte Mittelzeltbahn benutzen, die tagsüber als Wetterdach über zwei Zeltstöcke gespannt werden kann.
4. Geschlafen wird beiderseits des Mittelgangs. Die Mitte bleibt für Waffen, Geräte und Ausrüstung frei.
Quelle: Handbuch Militärisches Grundwissen, Militärverlag der DDR, Berlin 1982, S. 189.
 

Dreifach vernähter Aluknopf. Die Aluknöpfe der späteren Ein-Strich-kein-Strich-Ära waren zumeist genietet.

 

MdI, 3. Quartal 1962 vom bisher leider unbekannten Hersteller 08/ 0860. Stempelungen auf DDR-Zeltbahnen finden sich meistens immer auf der Innenseite der äußeren Kapuzenecke. Links ist der kreisrunde Stempel der TKO (Technische Kontrollorganisation) zu sehen. Die Ziffer 2 steht vermutlich für einen TKO-Arbeitsbereich.

 

 

 

 

 

3. Zwei Zeltbahnen von 1962 im Vergleich

 

Während die Zeltbahn rechts im Bild das bekannte fleckenartige Flächentarnmuster aufweist, ist die linke Zeltbahn mit zerfransten Fetzen, deren Ränder sich nicht berühren, bedruckt. Es scheint eine völlig andere Druckwalze verwendet worden zu sein. Dieses Tarnmuster erinnert auf den ersten Blick an das US-amerikanische "Duck Hunter"- Tarnmuster von 1942. Zeltbahn rechts im Bild Sammlung S. Wetzel.

 

Detail-Vergleich der gleichen Druck-Stelle beider Tarnmuster. Bei dem oberen "Fetzen"-Modell wurde der kleine dunkelgrüne Druck nicht mit ausgeführt.

 

 

 

Bei DDR-Zeltbahnen selten anzutreffen: Die Nackenverstärkung, hier bei dem fleckenartigen Flächentarn-"Regenumhang".

 

4. Zeltbahn im Strichtarnmuster, sandgelbe Ausführung 1967

(Sammlung M. Liebsch)

In traumhaft neuwertigem Zustand ist diese Zeltbahn der NVA von 1967 erhalten geblieben. Sandgelbe Zeltbahnen im Strichtarn-1-Muster sind heute nicht mehr so oft anzutreffen.

 

5. Zeltbahn im Strichtarnmuster, sandgelbe Ausführung etwa um 1968

 

Nur einen sehr kurzen Zeitraum, vermutlich nur 1967 und 1968 gab es Felddienstbekleidung und Ausrüstung in der sandgelben Version des Strichtarnmusters sowohl des Typs 1 als auch des Typs 2. Die hier gezeigte stark gebrauchte Zeltbahn weist bereits das etwas dickere Strichtarnmuster Typ 2 auf und dürfte damit etwa um 1968 zu datieren sein. Stempelungen sind leider nicht festzustellen.

 

Die napfförmigen Dreiloch-Knöpfe aus Aluminium sind hier noch vernäht.

 

 

6. Zeltbesteck

(Sammlung S. Wetzel)

 

 Kompleter Satz mit Heringen aus Metall, Stangen zum Aufeinanderstecken und Seil.

 

 

7. Zeltbesteck mit Tasche

Satz mit Heringen aus Bakelit, Stangen zum Aufeinanderstecken mit Dreh-Arretierung und Tasche. Die Tasche gehört nicht zur strukturmäßigen Mann-Ausstattung, da das Zeltbesteck mit einem kleinen Seil (s. o.) zusammengebunden und in den Enden der Zeltbahn eingerollt wurde. Eine individuelle Anfertigung oder Verwendung bei Pioniereinheiten wäre denkbar.